Aus der Geschichte der Pfarrkirche St. Ursula Meiste


Von der Gründung der Pfarrei Meiste und über die Einweihung der Kirche und des Friedhofes im Jahre 1191 berichtet der Rüthener Bürgermeister Christoph Brandis in seiner kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg verfaßten Stadtgeschichte. Dabei bezieht er sich auf mehrere Quellen, ohne diese zu benennen. Vielleicht hat er sogar eine Fülle von mündlichen Überlieferungen selbst in Urkundenform zusammengefaßt, denn der Stil seiner Aufzeichnungen paßt nicht in das 12. Jahrhundert und die erwähnten Personen gehören nicht alle in das Jahr 1191.

Nach Brandis weihte Erzbischof Philipp I. am 10. August 1191 die Kirche zu Miste und nahm die zu ihrer Dotation hergegebenen Güter in seinen besonderen Schutz.

Am 29. September bestätigte er bei der Einweihung des Kirchhofes zu Miste die der Kirche daselbst gemachten Schenkungen, namentlich die der Waldes Rischnei.

Für den Bau einer Kirche um 1791 sprechen allerdings die Ergebnisse von Grabungen, die bei Renovierungsarbeiten in den Jahren 1976/77 von der Archäologin Dr. Isenberg innerhalb der jetzigen Pfarrkirche durchgeführt wurden. Dabei konnte Dr. Isenberg die Fundamente eines romanischen Vorgängerbaus freilegen, von dem der Turm als Teil der heutigen Kirche erhalten ist. Dieser wuchtige und gedrungene Bau mit quadratischem Grundriß und dem pyramidenförmigen Dach ist typisch für unsere Gegend und auch in anderen Gemeinden des Altkreises Lippstadt zu finden.

Es kann auch nicht bewiesen werden, daß das 1191 erbaute Gotteshaus eine Pfarrkirche gewesen ist. Für das Bestehen einer Pfarrkirche vor 1300 spricht die Tatsache, daß es in einem Prozeß mit der Kirche in Altenrüthen aus dem Jahre 1517 heißt: die Pfarrei Miste sei wieder herzustellen". Diese kann aber nicht lange bestanden haben, denn schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts sprechen Akten und Urkunden von »Miste in parochia (Pfarrei) Altenrüden".

Nach Christoph Brandis war die erste Kirche oder Kapelle in Meiste der Gottesmutter Maria geweiht, das ist zwar möglich, aber nicht nachweisbar. Vor den Aufzeichnungen dieses Chronisten gibt es keine Nachricht darüber, spätere Historiker haben aber seine Ausführungen offenbar übernommen. Dagegen heißt es schon 1353 ,,capella undecim millium virginum in Miste (Urkunde im Stadtarchiv Rüthen), womit St. Ursula mit ihren Gefährtinnen gemeint ist.

Diese Heilige wird im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach als Kirchenpatronin erwähnt. Das jährliche Kirchweihfest beging die Pfarrgemeinde seit Menschengedenken am Montag nach St. Ursula.

Mit Genehmigung des Erzbischofs Hermann V. von Köln wurde Miste im Jahr 1518 endgültig eine selbständige Pfarrei. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ auch in Miste seine Spuren, offensichtlich kam auch das Gotteshaus nicht ohne Schaden davon. Eine Urkunde von 1654 berichtet vom Besuch des Weihbischofs Bernhard Frick aus Paderborn, der die Konsekrierung des Altares vornahm. Aus dieser Zeit stammen auch die Reliquien, die jetzt wieder in Vitrinen zu besichtigen sind. Im Jahre 1722 begannen die Bewohner der Pfarrgemeinde mit dem Abbruch des alten Gotteshauses. Man erbaute nun vor dem. alten romanischen Turm ein neues Langhaus mit gewölbtem Saal und eingezogenem Chor. Die Achse des Neubaus wurde um etwa 50 cm gegenüber dem Altbau in Richtung Süden verschoben. Die Bauarbeiten konnten unter der Leitung des Pfarrers Everhard Nahrichter im Jahre 1735 beendet werden. Nur ein Jahr später wurde die neue Kirche der hl. Ursula geweiht. Pfarrer Nahrichter bekam nach seinem Tode im Jahre 1737 einen Ehrenplatz in der Pfarrkirche, er wurde in einem Grab vor dem Hochaltar beigesetzt. Auf dieses Grab stießen freiwillige Helfer im Jahre 1976 bei der Aushebung eines Grabens für neue Heizungsrohre.

Im Jahre 1887 konnte ein neuer Friedhof außerhalb des Dorfes eingeweiht werden, damit endeten die Bestattungen auf dem Kirchplatz. Eine umfassende Ausmalung im neubarocken Stil erfolgte im Jahre 1910. Ein Jahr später - 1911 - erhielt Miste den Namen Meiste.

Das jetzige Aussehen bekam die Pfarrkirche durch die Außenrenovierung - neue Bedachung, neuer Außenanstrich - im Jahre 1974 und 2009, Es folgte die Erneuerung im Innern in den Jahren 1976 bis 1977 durch die Firma Ochsenfahrth in Paderborn, Die Neugestaltung des Kirchplatzes rundete die gesamte Baumaßnahme ab. Unter großer finanzieller Beteiligung der Bewohner von Meiste und ihrer Vereine konnte in den Jahren 1987/88 die Orgel durch die Fa. S. Sauer aus Höxter-Ottbergen restauriert werden. Sie steht heute, ebenso wie die Pfarrkirche, unter Denkmalschutz.